Veröffentlicht am

600 Frauen beim Gen-Test-Kriminalfall Magdalene • Zweite Serie der Überprüfungen hat im Feuerwehrstützpunkt begonnen

Bad Vilbel. Nicht nur, weil sie von der Polizei dazu aufgefordert worden ist, sei sie gekommen, erzählt Bettina Schneider. Mit ihrer Beteiligung am Gentest will sie auch ihren Beitrag leisten, um den tragischen Fall aufzuklären. „Das tut einem schon weh“, sagt die Mutter von zwei fünf- und anderthalbjährigen Kindern. Auch Sarah Goree sieht das so. Sie hat ihren zweieinhalbjährigen Sohn Curtis mit zur Untersuchung genommen. Von der merkt der kleine Junge gar nichts. Ehe er sich versieht, hat ein Beamter seiner Mutter ein Wattestäbchen in den Mund gehalten, um eine Speichelprobe zu entnehmen.

Noch an diesem und dem kommenden Wochenende sollen 1500 Frauen aus Bad Vilbel im Feuerwehrstützpunkt zum Gentest erscheinen. Jeweils von 10 bis 18 Uhr haben sie dazu Gelegenheit. Danach werden die gesammelten Proben an ein Labor geschickt. In sechs Wochen soll die Auswertung vorliegen, erläutert Polizei-Pressesprecher Jörg Reinemer. Er ist über den Auftakt der zweiten Reihenuntersuchung erfreut: „Das ist richtig gut angelaufen.“

Zum Auftakt sind am Freitag bereits 175 Frauen erschienen, am gesamten Wochenende waren es laut Polizei 600 Frauen. In Hessen ist dies der erste Gentest von Frauen. Allerdings war der Test auch notwendig, da die Ermittler seit dem Auffinden des toten Säuglings am Donnerstag, 27. Mai 2010, gegen 18.15 Uhr, keine verwertbare Spur mehr haben.

Zunächst waren Angler am Nidda-Ufer gesehen worden und in einer Drogerie fiel eine Frau auf, die Schwangerschaftsbinden kaufte. Drei bis vier Dutzend Spuren sei die Kripo nachgegangen, doch alle hätten sich als ergebnislos erwiesen.

Am Ende standen die Ermittler wieder bei null. Ihre einzigen gesicherten Fakten sind bislang zwei DNA-Spuren: die des toten Säuglings – und die seiner Mutter, die ebenfalls an dem blauen Plastiksack, in dem das Baby abgelegt worden ist, festgestellt werden konnten. Um die Spuren abzugleichen, waren bereits im November 1500 Frauen im Alter von 15 bis 25 Jahren geladen worden.

Jetzt sind die Frauen im Alter von 25 bis 35 Jahren dran. Falls es nötig sein sollte, würden zu einer dritten Reihenuntersuchung die Frauen im Alter von 35 bis 45 Jahren gebeten. Diese Staffelung habe logistische Gründe, so Reinemer.

In Betracht kommen nämlich knapp 5000 Frauen aus Bad Vilbel und den an den Fundort angrenzenden Ortsteilen – auch jene, die sich im vergangenen Jahr nur vorübergehend dort aufhielten. Der Grund: „Wir sind immer noch der Meinung, dass die Mutter sehr ortskundig war“, betont der Polizeisprecher. Er und seine vier Kollegen in der von der Friedberger Kriminalpolizei gebildeten Arbeitsgruppe seien „sehr zuversichtlich, dass wir den Fall klären.“

So ist die DNA der Mutter mittlerweile in einer bundesweiten Gen-Datenbank gespeichert. Falls sie bei einem Delikt in Erscheinung trete, könnte ihre Spur auch dort verfolgt werden. Wenn die Frau ermittelt wird, steht ihr ein Verfahren wegen Totschlags bevor. Und diese Straftat verjährt nie, betonen die Ermittler.

Für Fragen ist das Infotelefon (0 60 31) 79 16 25, eingerichtet. Weitere Infos im Internet unter www.magdalene-bad-vilbel.de.