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Auf ihn ist immer Verlass

Gunther Effenberger ist nicht nur in der Nachbarschaftshilfe aktiv. Auch beim SV Fun-Ball in Dortelweil nimmt er an einigen Kursen teil. Foto: Privat
Gunther Effenberger ist nicht nur in der Nachbarschaftshilfe aktiv. Auch beim SV Fun-Ball in Dortelweil nimmt er an einigen Kursen teil. Foto: Privat

Bad Vilbel. Wer in Bad Vilbel mal Kontakt mit der Nachbarschaftshilfe hatte, der wird vermutlich auf Gunther Effenberger getroffen sein. Seit seinem Ruhestand vor fünf Jahren ist der 68-Jährige aktiv dabei. Von der Rikscha-Gruppe über die Reparatur von Smartphones bis hin zur Einkaufshilfe: Auf Gunther Effenberger ist immer Verlass.
So ganz abgelegt hat Gunther Effenberger das Schwäbische nicht. »Spätzle gibt’s immer noch regelmäßig«, sagt er und lacht. Der heute 68-Jährige wächst in Kornwestheim bei Ludwigsburg auf, studiert in Stuttgart Chemie, promoviert in Konstanz. Der Job als Laborleiter bei der Cassella AG bringt ihn 1982 in die Rhein-Main-Region nach Frankfurt-Fechenheim. »Gewohnt habe ich allerdings von Anfang an in Bad Vilbel«, sagt er. Es folgen Jobs als Cassella-Betriebsleiter, bei der Höchst-AG, Clariant AG sowie am Ende bei der Bayer AG im Bereich Pflanzenschutz. »Zeit für Hobbys und soziales Engagement bleiben da leider auf der Strecke.«
Kurioser Einkauf
von Babynahrung

Das ändert sich für Gunther Effenberger mit dem Ruhestand. »Ich habe mir schon davor Gedanken gemacht, wo ich mich engagieren möchte, wenn ich nicht mehr arbeite«, berichtet er. In Bad Vilbel ist die Auswahl groß. Seine Wahl fällt auf die Nachbarschaftshilfe. Dort ist er mittlerweile in vielen Funktionen tätig. Ob bei der Tafel als Fahrer, Beifahrer, Sortierer oder in Bürofunktion. Ob als Begleitung bei Arztbesuchen, Einkäufen oder Spaziergängen. Ob als Rikscha-Fahrer, Helfer bei der Einrichtung von Smartphones oder der Reparatur von Elektrogeräten. Die »Allzweckwaffe« der Nachbarschaftshilfe heißt Gunther Effenberger. »Es macht mir einfach Spaß, zu helfen«, sagt er bescheiden.
Bei der Nachbarschaftshilfe schätzt man den Ehrenamtler sehr. Die stellvertretende Vorsitzende Hannelore Lotz beschreibt ihn als »immer zuverlässig und vielseitig einsetzbar«.
Dabei wird’s auch mal kurios. »Also Langeweile ist in den fünf Jahren definitiv nie aufgekommen.« Effenberger erinnert sich. »Ich weiß noch, wie ich alleine los bin, um Babynahrung zu kaufen. Meine praktischen Erfahrungen damit liegen allerdings schon viele Jahre zurück.« Immerhin ist seine Tochter bereits 29 Jahre alt. »Außerdem hat das Einkaufen damals oft meine Frau übernommen. Aber zum Glück gibt es WhatsApp und mir konnte schnell geholfen werden.« Gunther Effenberger nimmt’s mit Humor. »Ich habe meine Stammkunden. Solche lustigen Geschichten gehören einfach dazu.«
Der 68-Jährige hat sich mit seinem Engagement in der Nachbarschaftshilfe seinen Traum nach dem Ruhestand erfüllt. Sein Terminkalender ist prall gefüllt – und das liegt nicht an den ehrenamtlichen Rikscha-Fahrten. »Ich mache fünf Kurse beim SV Fun-Ball, bin im Fitnessstudio, bin begeisterter Skifahrer und fahre gerne Rad.« Die Wetterau sei dafür einfach perfekt. »Die Strecken an der Nidda sind wunderschön.« Mit alten Arbeitskollegen nimmt sich der engagierte Ehrenamtler auch gerne mal weitere Strecken vor. »Seligenstadt, Darmstadt, Mainz«, berichtet er und fügt mit einem Augenzwinkern an. »Aber am Berg bin ich über die Unterstützung des Elektromotors ganz froh.«
Vorliebe für
Jazz-Musik

Außerdem gilt sein Interesse der Musik. »Besonders der moderne Jazz fasziniert mich«, sagt er. Umso schöner war es für Gunther Effenberger, den bekannten Jazz-Saxofonisten Jan Garbarek in der neuen Vilbeler Stadthalle zu sehen. »So kann es in der Vilco gerne weiter gehen.«
Gunther Effenberger würde sich wünschen, dass das soziale und ehrenamtliche Engagement, wieder zunehme. »Die Corona-Zeit war keine einfache, aber es ist einfach wichtig für das soziale Zusammenleben.«
Den Gedanken daran, wieder in die schwäbische Heimat zurückzukehren, den gab es nicht wirklich. »Wir haben uns hier von Anfang an wohlgefühlt«, sagt Effenberger. Nur mit hessischen Spezialitäten sei das so eine Sache. »Also mit dem Apfelwein bin ich nie richtig warm geworden«, sagt er schmunzelnd. Von Patrick Eickhoff