Veröffentlicht am

Berliner Bär im Fokus – Motto des Denkmaltags: „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“

Am Sonntag, 8. September, öffnen beim bundesweiten „Tag des offenen Denkmals“ allein in Hessen mehr als 550 Denkmäler, die sonst nicht oder nur eingeschränkt zu sehen sind, ihre Tore. Auch der Wetteraukreis ist mit Veranstaltungen in 15 Städten und Gemeinden dabei. Das Motto des Denkmaltags am 8. September 2013 heißt: „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ Und ein solches steht auch in Bad Vilbel.

Bad Vilbel. Das Motto greift die zentralen Fragestellungen der Denkmalpflege auf, die am Tag des offenen Denkmals öffentlich diskutiert werden sollen: Was ist wert, erhalten zu werden und weshalb? Was macht Denkmale unbequem und warum? Gibt es überhaupt „bequeme“ Denkmale?

„Zu den „unbequemen Denkmalen“ zählen viele Bauten, die heute im Allgemeinen aufgrund der politischen und sozialen Umstände ihrer Entstehungs- oder Nutzungszeit ein gewisses Unbehagen oder sehr negative Gefühle auslösen. Dazu zählen Bunker-, Festungs- und Verteidigungsanlangen sowie Kriegerdenkmale und Kriegsgräberstätten aus vielen Jahrhunderten, Konzentrations- und Arbeitslager der NS-Zeit, DDR-Wachtürme, Reste ehemaliger DDR-Grenzanlagen und auch NS- und DDR-Verwaltungs- oder Versammlungsbauten. Diese Objekte sind bedeutende Zeitzeugen. Verantwortungsvoll historisch aufgearbeitet und allgemein verständlich erläutert, berichten sie uns ganz unmittelbar von den schwierigen bis katastrophalen Umständen ihrer Entstehungszeit“, heißt es auf der offiziellen Seite: http://tag-des-offenen-denkmals.de/thema/ .

„Der Tag des offenen Denkmals ist eine großartige Gelegenheit, um das reiche kulturelle Erbe unserer Wetterau zu vermitteln“, freut sich Landrat Joachim Arnold auf das Programm am kommenden Sonntag. Er sei beeindruckt, was die Wetterau an kultureller Vielfalt zu bieten habe „und das Programm am kommenden Sonntag lädt zu einem interessanten Spaziergang auf historischen Spuren ein“, sagt Landrat Arnold und verweist darauf, dass Interessierte ihr persönliches Besuchsprogramm aus Vorträgen, Führungen und Konzerten zusammenstellen können. Passend zum Motto „Jenseits des Guten und Schönen: Unbequeme Denkmale?“ steht in Bad Vilbel diesmal der Berliner Meilenstein mit dem Bär vor dem alten Rathaus im Fokus. In der Quellenstadt steht nämlich – wie der „Bad Vilbeler Anzeiger“ auf der Suche nach dem in einem Lagerraum des Betriebshofes verschwundenen Denkmal herausgefunden hat – ein ganz besonderes Stück, und zwar ist es der 100. von über 200 leider immer noch nicht denkmalgeschützten sogenannten Berliner Meilensteinen.

Granit mit der Inschrift Berlin 560 km, errichtet 1985 auf Initiative des ehemaligen Heilsberger Stadtrates Ernst Theodor Damm und Heinz-Constantin Last vom Bund der Berliner und Freunde Berlins und dem Kuratorium Unteilbares Deutschland, demontiert 2004 wegen Sanierungsarbeiten und schließlich auf Betreiben des „Bad Vilbeler Anzeigers“ in Zusammenarbeit mit Michael Damm, dem Sohn des Ex-Stadtrates Ernst Theodor Damm, im November 2010 wieder neu errichtet. Damm hat auch Antrag auf Denkmalschutz gestellt, eine Entscheidung dazu ist nocht nicht gefallen.

Von 8.20 bis 9 Uhr richtet Michael Damm am Sonntag vor dem Alten Rathaus einen Infostand, ein, stellt ein Hinweisschild auf und steht für Informationsgespräche rund um den Berliner Bär zur Verfügung. „Dieser Stein ist mehr als ein Stein“, erklärte Stadtrat Klaus Minkel (CDU), als der BVA ihn auf den nach Sanierungsarbeiten verschwundenen Gedenkstein angesprochen hatte. „Der Stein erinnert an das deutsche Schicksal, die Teilung des Landes und der Hauptstadt Berlin. Der Stein ist zugleich ein Symbol für Unrecht und Mord. Er soll die Bevölkerung an ihre Geschichte erinnern und mahnen“, sagte Minkel, stolz darauf, dass Bad Vilbel zu den Städten zählt, die solch einen Stein aufstellten, um auf den geteilten Himmel über Deutschland hinzuweisen. „Die Geschichte gab uns recht, vier Jahre später fiel die Mauer“, so Minkel.

Der Stein war von 2004 bis 2010 im städtischen Betriebshof eingelagert, überdeckt von einer Plane. Bürgermeister Thomas Stöhr und Bauamtsleiter Erik Schächer halfen bei der Suche nach dem Berliner Bär mit und so wurde der schöne, von dem Bad Vilbeler Steinmetz Wilhelm Wirth angefertigte Stein alsbald im Betriebshof entdeckt, gesäubert und wieder vor dem Alten Rathaus aufgestellt, diesmal integriert in den Treppenaufgang. Mehr als 200 Berliner „Meilensteine“ wurden zwischen 1954 und 1989 an Autobahnen und Bundesstraßen und in Städten aufgestellt.

Weitere Informationen: http://www.berliner-meilensteine.de. Das volle Programm mit allen Veranstaltungen gibt es im Internet, auf der Seite der Hessischen Denkmalpflege: www.denkmalpflege-hessen.de.