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Energie für die Zukunft

Die Baumaßnahmen für das Umspannwerk Karben haben im Oktober 2022 begonnen. Ab 2027 soll von hier aus die Metropolregion Rhein-Main mit Energie versorgt werden, um beispielsweise Rechenzentren zu versorgen. Foto: Jürgen W. Niehoff
Die Baumaßnahmen für das Umspannwerk Karben haben im Oktober 2022 begonnen. Ab 2027 soll von hier aus die Metropolregion Rhein-Main mit Energie versorgt werden, um beispielsweise Rechenzentren zu versorgen. Foto: Jürgen W. Niehoff

Karben / Niederdorfelden. Frankfurt und das Rhein-Main-Gebiet sind Stromschlucker. Die Nachfrage hat sich aufgrund von Rechenzentren und der steigenden Tendenz zur E-Mobilität erhöht. Um dieser nachzukommen, wird aktuell das Umspannwerk zwischen Karben und Niederdorfelden ausgebaut.
Seit Monaten sorgt eine Großbaustelle am Umspannwerk an der Bundesstraße 521 zwischen Karben und Niederdorfelden nicht nur für eine Verlangsamung des Verkehrs auf der Bundesstraße, sondern auch für neugierige Blicke. Was passiert da zwischen den Strommasten und Transformatoren?
Sicherstellung der
Energieversorgung

Gegenwärtig wächst in Deutschland der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung deutlich schneller als der Ausbau des Stromnetzes. Als Konsequenz daraus können gelegentlich temporäre Übertragungsengpässe entstehen. In solchen Fällen sorgen die Übertragungsnetzbetreiber wie etwa Tennet, Avacon oder Amprion dafür, dass sich Stromangebot und Stromverbrauch im Netz immer die Waage halten. Das ist wichtig, um unsere Netzfrequenz von 50 Hertz und die Spannung von 220 beziehungsweise 380 Kilovolt (kV) stabil zu halten. Denn auch hierzulande scheint die Sonne nicht jeden Tag und auch nicht nachts. Der Wind weht auch nicht immer gleich stark. Weil diese wetterbedingten Schwankungen in der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien sich auf die Netzstabilität auswirken, müssen die Netzbetreiber für die Stromversorgung sorgen.
Doch wie sieht das deutsche Höchstspannungsnetz der Zukunft aus? Wie muss es ausgebaut werden, damit es den Klimaschutzzielen für die nächsten Jahre gerecht wird? Auskunft darüber gibt nicht nur der Netzentwicklungsplan Strom, sondern er sorgt zugleich auch für eine sichere Stromversorgung.
Um diese Sicherheit in Frankfurt und der Metropolregion Rhein-Main aufgrund der steigenden Nachfrage nach elektrischer Energie im Zusammenhang mit der Energiewende garantieren zu können, muss das Stromnetz ausgebaut werden. Verantwortlich für den stark erhöhten Verbrauch ist die Zunahme hocheffizienter Rechenzentren, die zum Betrieb große Mengen Strom benötigen, sowie die wachsende Nachfrage durch zunehmende Elektromobilität.
Während nun Tennet für die Zuführung von Strom über große Entfernungen mit ihren 380-kV-Höchstspannungsleitungen zuständig ist und etwa das Umspannwerk in Karben an der B521 mit Energie versorgt, übernimmt von dort das Unternehmen Avacon das Verteilen des Stroms, heruntertransformiert auf 110-kV Hochspannung für das Rhein-Main-Gebiet.
Beliefert werden so Stadtwerke oder kleinere und größere Stromanbieter, die dann wiederum ihre eigenen Mittel- und Niederspannungsnetze zum Anschluss von mittleren Industriekunden und Endverbrauchern in der Region betreiben.
Weil nun aber eben wegen des starken Wachstums in der Region immer mehr Strom benötigt wird, müssen die Umspanneinrichtungen in Karben mit ihren zum Teil bis 300 Tonnen schweren Transformatoren ebenfalls wachsen. Schließlich wurde das Umspannwerk Karben bereits 1960 in Betrieb genommen. »Mit der Vergrößerung kann das Umspannwerk Karben zukünftig etwa das Fünffache der bisherigen Leistung übertragen. Die Maßnahmen dienen der Versorgungssicherheit, ermöglichen die Ansiedlung von Industrie und erneuerbaren Energieanlagen sowie den steigenden Elektrifizierungsbedarf durch Wärmepumpen und Elektromobilität«, erklärt die Avacon-Mitarbeiterin Katharina Krause.
Fertigstellung
für 2027 geplant

Und weil die Erweiterung eines Umspannwerkes ein überaus komplexes Projekt darstellt, das mit genehmigungsrechtlichen, technischen und baulichen Herausforderungen verbunden ist, dauern die Um- und Ausbaumaßnahmen entsprechend lang. Die ersten Arbeiten auf der Baustelle in Karben haben im Oktober 2022 begonnen. Der Ausbau erfolgt in mehreren Stufen. Die Fertigstellung der letzten Ausbaustufe und damit der Projektabschluss ist nach Auskunft von Avacon erst für 2027 geplant. Und obwohl der Großteil der Betriebsgebäude bereits fertiggestellt sind, sollen zurzeit erst etwa 20 Prozent der Arbeiten abgeschlossen sein. Die Anlieferung und Montage der beiden Transformatoren ist deshalb erst für Ende 2023 oder Anfang 2024 geplant. Die Autofahrer auf der B521 werden zwischen Karben und Schöneck wohl noch eine längere Zeit wegen der Baumaßnahmen mit Einschränkungen rechnen müssen.
VON JÜRGEN W. NIEHOFF