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Ideen für Vilbels Mitte

Die Beteiligung beim ISEK-Bürgerworkshop ist groß. Kein Wunder, schließlich geht es um nichts Geringeres, als die Frage, wie sich die Innenstadt in Zukunft entwickeln soll. Foto: Alexander Gottschalk
Die Beteiligung beim ISEK-Bürgerworkshop ist groß. Kein Wunder, schließlich geht es um nichts Geringeres, als die Frage, wie sich die Innenstadt in Zukunft entwickeln soll. Foto: Alexander Gottschalk

Planungsbüro stellt Eckpunkte des Entwicklungskonzepts vor

Bad Vilbel. Der Magistrat treibt die Entwicklung der Innenstadt weiter voran. Das Planungsbüro Firu hat für die Stadt die Stärken und Schwächen des Areals rund um die Frankfurter Straße analysiert. Eingeflossen sind auch Anregungen von Bad Vilbeler Bürgern. Sie waren am Montag der vorigen Woche erneut gefragt. In einem Workshop sollten sie helfen, weitere Maßnahmen für Vilbels Mitte auszutüfteln.

Das Planungsbüro Firu hat seine erste Analyse zur Bad Vilbeler Innenstadt abgeschlossen. Die Ergebnisse stellte das Unternehmen aus Kaiserslautern inteessierten Bürgern in der Stadtbibliothek vor. Im Anschluss hatte das Publikum die Gelegenheit, in einem dreiteiligen Workshop seine Ideen zur Entwicklung der Stadtmitte in den Themenbereichen Verkehr, Grünanlagen und Leben in der Innenstadt einzubringen.
»Der Redebedarf war groß«, bilanzierte Anika Rothfuchs gestern im Gespräch mit dieser Zeitung. Die Ingenieurin gehört zum vierköpfigen Team, das im Auftrag der Stadt an einem Integrierten Stadtentwicklungskonzept, kurz ISEK, arbeitet. Dabei handelt es sich um ein Planspiel, das für bis zu zehn Jahre in einem abgesteckten Projektbereich alle städteplanerischen Veränderungen vorzeichnet – seien es neue Parkbänke oder gleich ein komplett neuer Park.

KOMMUNEN ERMUTIGEN
Ziel ist es, im ISEK Maßnahmen festzulegen, die im Sinne des Landesförderprogrammes »Aktive Kernbereiche« förderfähig sind, für die die Stadt also mit einer Teilfinanzierung von Land und Bund rechnen kann. Das Förderprogramm soll Kommunen ermutigen, in ihre Ortszentren zu investieren, um sie nachhaltig zu beleben.
In der Stadt erstreckt sich der Förderbereich grob gesagt vom Kurpark bis zum Biwer-Kreisel mit Frankfurter Straße, Niddaplatz und dem Alten Rathaus. In den vergangenen Monaten hatte sich Firu mit den Stärken und Schwächen dieses Bereichs befasst. Dafür wurden Gespräche mit Einzelhändlern geführt, statistische Daten zu Verkehr und Demografie ausgewertet und die Situation bei Ortsterminen begutachtet, sagte Rothfuchs. Entscheidend für die Analyse sei außerdem der erste Bürgerdialog im Februar gewesen.
Damals wurden alle Bad Vilbeler aufgefordert, mitzuteilen, wo sie in der Innenstadt Handlungsbedarf sehen und was ihnen wichtig ist (wir berichteten). Die Bürgerbeteiligung spielt beim ISEK eine große Rolle. Auch wenn, wie Rothfuchs betonte, einige Eckpunkte, an denen man sich orientieren müsse, schon feststünden, wie der Stadthallenbau oder der barrierefreie Ausbau des Südbahnhofs. Auch im Stadtentwicklungskonzept gebe es Maßnahmen, »die auf jeden Fall ins ISEK müssen«, wie Rothfuch sagte, darunter ein neu anzulegender Kurgarten und mehrere Fahrradwege (siehe Artikel links).

»Aus unserer Analyse haben wir drei Handlungsfelder herausgearbeitet, wo der Schuh am meisten drückt: Verkehr, Grün, Freibereiche und Leben in der Innenstadt«, so Rothfuchs. »Hier wollen wir die Stärken der Stadt weiter ausbauen und so Schwächen ausgleichen.« Grundlegendes Problem könne aber auch ISEK nicht beheben, wie die dichte Bebauung.
Beim Treffen vorige Woche sollten die Bürger, denen die Stärken und Schwächen von Vilbels Mitte vorgestellt wurden, auf dieser Basis ihre Änderungswünsche einbringen. 50 Bürger waren dem Aufruf des Planungsbüros gefolgt. In Kleingruppen hatten sie immer 30 Minuten Zeit, um zu einem der Themenbereiche zu diskutieren. Auch Kulturamtschef Claus-Günther Kunzmann und Erster Stadtrat Sebastian Wysocki (CDU) waren gekommen, um Rede und Antwort zu stehen.

REGE DISKUSSION
Die Ergebnisse der Workshops kann Firu aber noch nicht präsentieren. Dafür sei es noch zu früh, erklärte Anika Rothfuchs . Aber: »Wir sind zufrieden. Es gab rege Diskussionen und gutes Feedback.« So habe sie als Anregung mitgenommen, dass man beim Bau des Nidda-Radweges die Verkehrslenkung verbessern könnte, indem der Durchfahrtsverkehr auf der stadtferne Seite geführt würde.
In einem nächsten Schritt arbeitet das Planungsbüro für jede Maßnahme einen Steckbrief aus, inklusive Kosten. Einen weiteren Bürgerworkshop wird es zwar nicht geben, aber eine Informationsveranstaltung, und zwar spätestens im Herbst. Im November soll das Stadtparlament das ISEK dann beschlossen haben. Die Zeit drängt. denn einige Vorhaben, wie der Bau der Lehr- und Naturpfade, sollen schon vor dem Hessentag 2020 umgesetzt werden.

In den nächsten Wochen wird die Stadt verkünden, wer in die lokale Partnerschaft des Fördergebiets einzieht. Das ist eine Art Rat, der an allen künftigen Entscheidungen zur Innenstadtgestaltung teilhaben soll. Bewerben konnten sich Privatpersonen genauso wie Gewerbetreibende. Eine erste Sitzung soll noch vor der Parlamentsabstimmung über ISEK folgen.  (Von Alexander Gottschalk)

 

 Vilbels Stärken und Schwächen   Die Analyse des Planungsbüros Firu ergab, dass eine Stärke der Bad Vilbeler Innenstadt die vielen Grünflächen seien. Sie seien aber oft in schlechtem Zustand, die Wege im Kurpark seien teils kaputt und der Burgpark allgemein »nicht mehr zeitgemäß. Im Gespräch hätten viele Bad Vilbeler auch angeregt, mehr auf Sauberkeit und die Verhinderung von Vandalismus zu achten.
Ein Highlight ist für die Stadtplaner das Areal um die Neue Mitte. Die Innenstadt habe mit der Burg und ihren historischen Gebäuden zwar das Potenzial touristisch attraktiv zu sein, hier und da bestehe aber Sanierungsbedarf.
Auch die Struktur der Gewerbe, mit Filialen großer Unternehmen und vor allem mit den inhabergeführten Geschäften, sehen die Analysten als positiv. Als Aufgabe erachten sie es, am Rand der Frankfurter Straße  das Risiko für Leerstände zu minimieren.
Eine weitere Herausforderung sei die dichte Bebauung im Projektgebiet. Für alternative Wohnformen, beispielsweise für Senioren, gebe es nur wenig Platz. Dabei steche vor allem das südliche Nidda-Ufer hervor, in dem sich wegen fehlender Frischluftzufuhr auch die Frage nach dem Stadtklima stelle. Auch die kleinen Platzflächen laden noch zu selten zum Verweilen ein.
Große Problem sind das hohe Verkehrsaufkommen und die teils noch unzureichende Infrastruktur mit Radwegen und Abstellanlagen. (ag)

Geplante Vorhaben:    Diese Vorhaben, bei denen Stadt und Planungsbüro optimistisch sind, dass sie das Land im Sinne des Förderprogramms »Aktive Kernbereiche« unterstützt, sind fest ins städtebauliche Entwicklungskonzept (siehe rechts) integriert:
W Wasserspielplatz, Kneippbecken, Kräutergarten, Barfußpfad und neue Sitzgelegenheiten für den Burgpark
#  Die Aufwertung des Areals um den Lohgerberbrunnen
#  Die Neuanlage eines Kurgartens vor dem Kurhaus und eines Verkehrskreisel an der Stadthalle
#  Den Bau von Lehr-, Natur- und Erlebnispfaden, unter anderem eines Brückenlehrpfads
#  Die Teilsanierung historischer Gebäude wie Stadtschule, Altes Rathaus und Wasserburg samt Bühnendach und Graben
#  Die Sanierung der Außenanlage der Alten Mühle
#  Die Aufwertung der Frankfurter Straße mit mehreren kleinen Plätzen
#  Den Neubau mehrerer Radwege unter anderem des Nidda-Radwegs, sowie von Radspuren in der Kasseler Straße und im Berkersheimer Weg. (ag)