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Jede Minute zählt!

Doris Kleisch ist Kurierbotin der Dortelweiler Apotheke im Brunnencenter und muss oft lange nach den Hausnummern suchen. Foto: Deul
Doris Kleisch ist Kurierbotin der Dortelweiler Apotheke im Brunnencenter und muss oft lange nach den Hausnummern suchen. Foto: Deul

Meist sind sie nur ein Ärgernis, das aber im Notfall wertvolle Zeit kostet: Hausnummern, die schlecht oder gar nicht erkennbar sind. Rettungsdienste, Feuerwehr und Apothekenboten können ein Lied davon singen.

Bad Vilbel. Doris Kleisch ist schon seit fünf Jahren für den Botendienst der Apotheke im Brunnen-Center unterwegs und kennt die meisten Straßen aus dem Effeff. Doch manchmal muss sie vor Ort erst einmal anfangen zu suchen. „Schwierig wird es, wenn man Kreuzungsbereiche hat, in denen der Zugang zu einer Adresse in der anderen Straße liegt“, sagt sie. Mühsam wird es auch, wenn Büsche und Bäume die Sicht auf die Ziffern verdecken – und es auch noch dunkel ist.

Zu Unannehmlichkeiten kann auch das Bedürfnis von Anwohnern nach Anonymität führen, hat sie beobachtet: „Da finden sie nicht mal einen Briefkasten oder Namen.“ Doch im Ernstfall, wenn es schnell gehen muss, etwa bei Rettungseinsätzen, kann das ein Nachteil sein.

Lebensgefährlich

„Im Ernstfall kann eine Minute Leben retten“, wirbt Kleisch für eine bessere Ausschilderung. Hauseigentümer “müssen sich in die Lage eines Ortsfremden versetzen, der die Straße entlang fährt“, rät sie.

„Das ist ein altes Problem“, weiß der Bad Vilbeler Stadtbrandinspektor Karl-Heinz Moll. „Hausnummern sind für uns oft schlecht zu erkennen.“ Auf Navigationsgeräte verzichtet die Wehr dennoch, die freiwilligen Helfer seien mit guten Ortskenntnissen in ihren Stadtteilen unterwegs, und „oft weist uns jemand vor Ort ein“.

Wenig Sorgen macht sich die Bad Vilbeler Polizei. Revierleiter Jürgen Werner sagt, die Hausnummernsuche „war bei uns noch nie Thema“. Die Beamten seien schließlich mit Navis unterwegs.

Ganz anders sehen das die Helfer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „Nicht erkennbare Hausnummern sind ein Problem des Rettungsdienstes“, betont DRK-Kreisgeschäftsführer Andreas Fieweger. „Jeder unnötige Suchvorgang kostet kostbare Zeit.“ Straßenschilder, beklagt er, seien häufig nicht durchgängig in einer Straße vorhanden. „Bei längeren Straßen vermissen wir einen Hinweis, in welche Richtung die Nummerierung verläuft. Nicht immer fährt der Rettungsdienst am Anfang einer Straße hinein.“ In Einkaufsstraßen seien häufig keine Hausnummern an den Geschäften angebracht. „Dies ist dann fatal, wenn im Geschäftshaus Wohnungen integriert sind, kritisiert Fieweger.

„Vor allem nachts verliert der Rettungsdienst wertvolle Zeit mit der Suche nach Hausnummern. Besonders schwierig wird es, wenn es keine fortlaufende Hausnummerierung gibt und man sich mit Suchscheinwerfer von Haus zu Haus tasten muss.“ Der Rettungsdienst würde sich wünschen, bekäme jedes Gebäude an der Grundstücksgrenze zur Straße hin eine gut lesbare Hausnummer. (dd)