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Vier Hände im Einklang – Premiere: Organistenpaar spielt auf Klais-Orgel in der katholischen Kirche

Die Klais-Orgel der katholischen Kirche Sankt Marien in Windecken war erstmals in einem vierhändigen Kon- zert zu sehen und zu hören. Das Besondere: Während des Spiels wurde die Orgel-Spielanlage auf eine große Leinwand im Kirchenraum übertragen. Die Konzertbesucher konnten den Wiesbadener Organisten Iris und Carsten Lenz von allen Plätzen aus beim Spiel zuschauen sowie deren Finger und Füße beobachten.

Nidderau. Die Schrittfolge ihrer Füße war derart aufeinander eingespielt, als würden sie einen Walzer tanzen. Den Walzer für vier Füße, der für eine Weinprobe komponiert wurde, tanzte das Ehepaar in der Tat gemeinsam, jedoch auf dem Pedal der Orgel.

Ihr erstes vierhändiges Konzert gaben Iris und Carsten Lenz Mitte der 1990er-Jahre. „Bei einem Orgelspiel sitzen die Zuhörer mit dem Rücken zum Instrument. Die Kommunikation fehlt. Es besteht eine große Distanz zwischen den Ausführenden und dem Publikum“, sagte Carsten Lenz. Mit dem vierhändigen Orgelspiel möchte das Organistenpaar den Zauber des oft als ernsthaft wahrgenommenen Instrumentes sichtbar machen.

„Wir möchten, dass die Leute die Kirche besuchen“, sagte Iris Lenz. In Ingelheim am Rhein, wo sie oft Konzerte geben, haben sie mittlerweile Stammbesucher. Nach Nidderau kamen sie auf Einladung des Kulturbeirates und der Stadt, in Zusammenarbeit mit der katholischen Kirche Windecken.

Epochenbeispiele

Geboten wurde ein Konzert mit einem spannenden Querschnitt durch die vierhändige und vierfüßige Orgelmusik, wofür es zahlreiche Kompositionsbeispiele aus fünf Jahrhunderten gibt. Virtuose, melodiöse, heitere und überraschende Klänge wechselten sich ab. Das einstündige Konzert wurde von Carsten Lenz moderiert.

Die Fuge in G-Dur für Orgel zu vier Händen von Johann Christoph Kellner (1736 bis 1803) eröffnete das Orgel-Feuerwerk des Duos. Kellner war Hoforganist in Kassel. Samuel Wesley (1766 bis 1837) stammte aus einer bekannten Theologen- und Musikerfamilie. Mit seiner Tochter Eliza spielte er oft Duette, wie die drei Duette aus „Duetto Four Hands“, die dem Publikum in zarten Klangfarben geboten wurden.

„Zur Zeit des norditalienischen Komponisten Luigi Malerbi 1776 bis 1843, konnte man Verdi-Opern in Orgelfassungen in der Kirche genießen“, sagte Carsten Lenz. Mit Malerbis Sinfonie, einer Mini-Opern-Ouvertüre des sehr fröhlichen Spiels, wurde die Vielseitigkeit der Orgel deutlich. Der Komponist Wilhelm Reuling, der 1802 geboren wurde, wuchs in Darmstadt auf. Zu Reulings Zeit war das Orgelspiel sehr beliebt.

Zuhörer haben Spaß

Mit Reulings Fughetta spielten die Organisten eine Kurzfuge, bei der die Zuhörer ihren Spaß hatten. Der Grund: Die großen Temperaturumschwünge der vergangenen Tage machten dem Instrument, dessen Technik sich durch zahlreiche Holzteile auszeichnet, Probleme beim Schließen der Ventile. Die Folge war, dass eigenständige Töne zu hören waren, als spiele die Orgel von selbst. Iris und Carsten Lenz hatten auch Werke zeitgenössischer Komponisten gewählt. Von dem 1950 geborenen Kanadier Denis Bédard gab es eine spannende Orgelszene in vier Sätzen zu hören. Robin Dinda schreibt außergewöhnliche Tierkompositionen. Im Finale präsentierte Carsten Lenz Geburtstags-Miniaturen als einen rasanten Durchgang durch verschiedene Epochen und Länder des 19. und 20. Jahrhunderts.