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Die Zeit der Narren – Kurze Kampagne: Ohne Widerstände erobern Sandhasen und Schoten das Rathaus

Am dienstfreien Sonntag hatten die knapp 80 Faschings-Fans kaum mit Gegenwehr zu rechnen, als sie vor dem Rathaus ihre Narrenfahne hissten. Besonders aufgeregt war das Kinder-Prinzenpaar Jeremy I. und Lara I.

Bad Vilbel. Karnevalisten sind pünktlich. „20, 19, 18. . . “ zählten sie gestern die Sekunden, bevor sie endlich ihre blau-gelb-rot-weiße Fahne vor dem Rathaus in die Höhe ziehen konnten. Zuvor zogen sie zwanzig Minuten lang vom „Hasenstall“, dem Domizil der Sandhasen, durch die Innenstadt gen Rathaus. Dort kam bei stimmungsvoller karnevalistischer Musik schon eine Einstimmung in die neue Kampagne 2012 / 13 auf. Aber schon um 11.15 Uhr war die Straße wieder sonntäglich verwaist, die Karnevalisten drinnen gesellig bei Sekt, Orangensaft und Laugengebäck im Sitzungssaal.

Hausherr Thomas Stöhr (CDU) wurde nur von seinen engsten Mitarbeitern, Büroleiterin Verena Kehm und Pressesprecher Bastian Zander, unterstützt, als er zur Begrüßung eine Spottrede auf die Gäste hielt: „Narren erwacht aus langem Schlaf, weil Aschermittwoch sie hart traf.“ Sie seien „noch ganz benommen, kaum durch die Rathaustür gekommen.“ Doch mit der Gegenwehr war es auch nicht weit her: „Nur die Verstärkung hier im Haus, die lachte mich doch ganz schön aus: An ’nem Sonntag Dienstantritt, da spielen wir doch gar nicht mit.“

Die Eroberer sind nicht zu unterschätzen, fand Stöhr: „Während Reporter nur den Stift hier zücken, werden sie bald mit ’ner Kanon anrücken. Während fiese Fragen uns kaum mehr stören, können doch Gardebeine schon sehr betören.“

Schoten-Comeback?

Darauf entgegnete Sandhasen-Präsidentin Ina Momberger-Ascher diplomatisch: „Besonders jetzt in dieser Zeit / braucht man Frohsinn und Heiterkeit / drum grüßen wir, das wisst ihr genau / ab heute nur noch mit Bad Vilbel Helau!“ 300 Mitglieder haben die Sandhasen, darunter 200 Aktive, berichtet ihr Pressesprecher Horst H. Hilling. Sie wollen in diesem Jahr die seit etlichen Jahren ausgesetzte Tradition des Maskenballs neu beleben, der am 2. Februar geplant ist. Bereits am kommenden Samstag, 17. November, stellen die Sandhasen ihr Bühnenprogramm erstmals im Kurhaus vor. Auch in diesem Jahr werden die Schoten, der zweite Vilbeler Karnevalsverein, keine Veranstaltungen machen, sagte ihr Präsident Jürgen Müller. Nur knapp entging der Verein der Auflösung, nachdem 2011 der komplette Vorstand abtrat, viele Mitglieder nach Bergen-Enkheim wechselten und vom Amtsgericht Frankfurt ein Notvorstand bestellt wurde. Das soll jetzt Geschichte sein, 23 Mitglieder haben die Schoten jetzt wieder, wollen auch am Weihnachtsmarkt Präsenz zeigen. Nächstes Jahr soll es auch wieder Sitzungen geben.

Ganz andere Sorgen

Ganz andere Sorgen haben Lara Krauß (7) und Jeremy Koroun (7), das neue Kinderprinzenpaar. Die beiden übten bereits seit 2009 zusammen in der Purzelgarde der Sandhasen. „Ich wollte schon immer Kinderprinzenpaar werden“, sagt Lara I. leis, aber selbstbewusst. Sie bekennt aber auch: „Ich bin sehr aufgeregt“, vor allem vor dem Bühnenauftritt, bei dem sie nicht nur als Prinzessin, sondern auch mit Tänzen bei den Bunnys und den Gardemädchen dabei ist. Jeremy hat sich aus eigener Initiative um sein Amt beworben. Danach brauchte er nur noch eine Prinzessin und fragte Lara. „Ich habe eine Nacht lang überlegt“, sagt sie – und verrät, sie habe bereits bei Jeremy zu Hause für ihre künftigen Auftritte geübt.

Unter dem Motto „Deutschlandreise in die 5. Jahreszeit“ eröffnen die Sandhasen am Samstag, 17. November, um 20.11 Uhr im Kurhaus ihre Kampagne. Bereits ab 19 Uhr kann zum Sound von J&J Music getanzt werden. Karten an der Abendkasse: 5 Euro.