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Er ist „unbebaubar“ – Bürger stemmen sich gegen die Umwandlung des Spielplatzes in Bauland

Mit aller Macht kämpfen Anwohner in Okarben dagegen, dass ein Spielplatz in ihrer Nachbarschaft geschlossen und zu Bauland umgewidmet wird. Das Areal sei unbebaubar, sagen sie. Als Beweis ziehen sie einen äußerst prominenten Kronzeugen heran.

Karben. Zwei Spielplätze gibt es im Wohngebiet Straßberg, nur 350 Meter von einander entfernt. Doch wohnen derzeit kaum Kinder im westlichen Ortsteil von Okarben. Und für die ist keiner der beiden Spielplätze richtig attraktiv.

Prominenter Kronzeuge

Die Idee von Bürgermeister Guido Rahn (CDU): Den einen Spielplatz in der Straße Schöne Aussicht schließen, und die Fläche als Bauland verkaufen. Dann hat die Stadt genug Geld, um den anderen Spielplatz mächtig aufzumotzen.

Gegen dieses Vorhaben gehen die betroffenen Anwohner auf die Barrikaden, haben dem Bürgermeister eine Liste mit 100 Protestunterschriften übersandt.

Und sie ziehen nun ein starkes Argument aus dem Ärmel: „Das Gelände ist gar nicht bebauungsfähig“, sagt Anwohnerin Ilse Dittrich. Sie war eine derjenigen, die vor mehr als 40 Jahren dafür geworben haben, dass der Spielplatz überhaupt eingerichtet wird.

Und erinnert daran, dass die Kinder schon vorher auf der Fläche spielten. Allerdings wurde das Gelände damals noch nicht den heutigen Ansprüchen an einen Kinderspielort gerecht: Denn die Kinder spielten quasi auf einer Müllkippe. „Hier haben die Leute ihren Dreck und Bauschutt abgeladen“, erinnert sich Ilse Dittrich.

Während das Baugebiet entstand, hätten die Okärber die Sandkuhle als Müllabladeplatz genutzt. „Da ist sicher kein Gift drunter, aber es eignet sich nicht als Baugrundstück.“

Für dieses Argument führen die Anwohner einen überaus prominenten Zeugen an: den Ex-Vorstandschef der Deutschen Bank, Rolf Breuer. Denn zur Zeit, als die Stadt den Spielplatz 1972 baute, war Breuer CDU-Fraktionschef im Parlament der seinerzeit ganz neu gegründeten Stadt Karben.

Aus dem Mai 1971 legt Ilse Dittrich einen Antrag der CDU-Fraktion ans Parlament vor, wonach endlich der Spielplatz in der Schönen Aussicht gebaut werden solle. „Schon seit langem ist beabsichtigt, das genannte Gelände zur Anlegung eines Kinderspielplatzes zu nutzen“, schrieb Breuer damals in der Begründung für den Antrag. „Es eignet sich für diesen Zweck besonders gut und ist ohnehin nicht bebauungsfähig.“

Generationswechsel

Diese Einschätzung ist Wasser auf die Mühlen der Bauland-Gegner. Zumal sie die Stadt nicht aus ihrer Pflicht entlassen wollen, dass sie laut der Baugesetze eine gewissen Anzahl Spielplätze für jedes Wohngebiet vorhalten müsse, sagt Dittrichs Mitstreiter Dieter Hieber. Das sei auch langfristig sinnvoll, denn nach der Überalterung des Wohngebietes „wird es auch hier bald einen Generationswechsel geben“, schätzt Nachbarin Beate van Triel die Lage.

Selbst dafür genüge allerdings auch ein einziger Spielplatz, hält Bürgermeister Rahn dagegen. Zumal es die Option gebe, eine kleine Spielfläche für Kleinkinder zu erhalten. Andere Stadtteile seien wesentlich schlechter mit Spielplätzen ausgestattet als der Straßberg.

Alle Betroffenen würden beteiligt, das Konzept öffentlich vorgestellt, kündigt Rahn an. Eine Million Euro für attraktivere Spielplätze könne die Stadt einfach nicht ohne Einnahmen stemmen. „Wenn wir in Karben 27 Spielplätze wieder attraktiv gestalten und dafür drei Spielplätze schließen, ist das doch eine faire Lösung“, findet er. Verständnis für den Widerstand hat Guido Rahn dennoch: „Immer, wenn man etwas verändern will, gibt es Protest.“ (den)