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Für mehr Reinheit des Abwassers

Auf der Suche: Jesus Gil-Gustavo (l.) und Michael Kratz stehen am Vorklärbecken der Kläranlage. Aktuell besuchen sie verschiedene Anlagen, um die richtige Technik für die vierte Reinigungsstufe zu finden. Foto: Kubocz
Auf der Suche: Jesus Gil-Gustavo (l.) und Michael Kratz stehen am Vorklärbecken der Kläranlage. Aktuell besuchen sie verschiedene Anlagen, um die richtige Technik für die vierte Reinigungsstufe zu finden. Foto: Kubocz

Karben. Das Abwasser in Karben soll noch reiner werden. Damit dies bewerkstelligt werden kann, wird eine vierte Reinigungsstufe in der Karbener Kläranlage benötigt. Dafür stehen verschiedene Verfahren zur Wahl. Die Stadtwerke müssen sich entscheiden, welches für Karben am passendsten ist.
Beim Betreten der Karbener Kläranlage kann man an allen Ecken und Enden das Surren und Brummen der Maschinen sowie Anlagen hören, die für die Aufbereitung des Abwassers zuständig sind. Man riecht aber auch, an welchem Ort man sich gerade befindet. Damit die Karbenerinnen und Karbener in Zukunft eine noch höhere Wasserqualität erhalten können, soll eine vierte Reinigungsstufe in der Karbener Kläranlage hinzugefügt werden. Diese Information hatte Bürgermeister Guido Rahn während der Stadtverordnetenversammlung im Dezember mitgeteilt.
Drei Verfahren
stehen zur Auswahl

»Mit einer vierten Reinigungsstufe wäre unsere Kläranlage auf dem allerneuesten Stand der Technik«, sagt Jesus Gil-Gustavo, der neue Technische Leiter der Karbener Stadtwerke. Eine herkömmliche Anlage verfügt über drei Reinigungsstufen, wie es auch noch in Karben der Fall ist. Zunächst wird das Abwasser mechanisch gereinigt. Grobe Rückstände, wie Fäkalien oder Hygieneprodukte, werden durch eine »Lamellenfeinsieb- und eine Rechenanlage« entfernt, erklärt Michael Kratz, Abwassermeister und Leiter des Klärwerks. Die zweite Stufe stellt eine biologische Reinigung dar. Hier werden Bakterien, die sich bereits im Wasser befinden, benutzt, um Nitrat oder Ammonium aus dem Wasser zu entfernen. »In der dritten Stufe benutzen wir chemische Mittel, um den Phosphoranteil im Wasser zu minimieren«, erklärt Gil-Gustavo.
Das Ziel, das durch die neue Technik erreicht werden solle, sei die Eliminierung von weiteren mikroskopischen Schadstoffen, wie beispielsweise Mikroplastik, Rückständen von Medikamenten und Kosmetikprodukten oder Bioziden. Ein weiterer Grund für die Anschaffung der vierten Reinigungsstufe sei eine Vorgabe des Landes Hessen. Kratz erklärt: »Hierbei handelt es sich um einen Grenzwert beim Phosphor-Anteil im Wasser.« Bisher lag der festgeschriebene Höchstwert bei 0,7 Milligramm pro Liter. Dieser werde ab 2025 auf 0,45 Milligramm Überwachungswert pro Liter verringert. Zwar liegt das gereinigte Wasser, das in die Nidda abfließt, unter diesem Wert, doch »bei Starkregenereignissen steigt er an, weswegen wir den neuen Grenzwert nicht halten könnten«, sagt der Abwassermeister.
Aktuell befinden sich der technische Leiter und der Abwassermeister in einer Sondierungs- und Findungsphase. Denn es gibt verschiedene Verfahren, um die vierte Reinigung durchzuführen. In der engeren Auswahl sind drei Technologien. »Zum einen hätten wir da die Pulveraktivkohle, die unerwünschte Stoffe bindet und im Anschluss über eine Tuchfiltration entfernt«, sagt Kratz. »Eine andere Variante wäre die granulierte Aktivkohle zusammen mit einer Sandfiltration.«
Besuch anderer
Kläranlagen

Bei der dritten Reinigungsmethode handelt es sich um die sogenannte Membranfiltration. Das Wasser läuft hierbei durch Fasern, die mikroskopisch kleine Löcher besitzen und damit die Spurenstoffe entfernen. Nach dem aktuellen Stand der Dinge ist der Einbau einer Sandfiltration jedoch zwingend, da dieses Verfahren zur Senkung des Phosphorgehalts führt. Dieses Verfahren kann auch mit der Pulveraktivkohle oder der Membranfiltration kombiniert werden.
Um entscheiden zu können, welches Verfahren für die Karbener Kläranlage am geeignetsten ist, haben und werden Kratz und Gil-Gustavo Standorte besuchen, die bereits über eine vierte Reinigungsstufe verfügen. Der Startschuss hierfür ist bereits im Dezember des vergangenen Jahres gefallen. Da stand ein Besuch des Klärwerks in Mörfelden-Walldorf auf dem Plan. »An diesem Standort wird die Pulveraktivkohle, die Tuchfiltration und dazu Ozonierung verwendet«, sagt Kratz. Diese Anlage ist ein Pilotprojekt des Landes Hessen. Besuche von anderen Anlagen mit den übrigen Verfahren sind fest eingeplant.
Wie hoch die Kosten für den Einbau der vierten Reinigungsstufe ausfallen werden, können Gil-Gustavo und Kratz noch nicht sagen. Je nachdem, wie hoch die Zuschüsse des Landes beim Bau der vierten Reinigungsstufe ausfallen, könnten sich die Abwassergebühren auch erhöhen. Deswegen sei die Sondierungsphase von enormer Bedeutung. Kratz sagt: »Unser Ziel ist es, das Wasser möglichst sauber und nachhaltig aufzubereiten. Wir wollen aber nicht, dass deswegen die Bewohner unter hohen Abgaben leiden.« Von Patryk Kubocz