Veröffentlicht am

Mit moderner Technologie Menschen helfen

Claus-Peter Gabriel (rechts) präsentiert Iris Stockbauer von der Nachbarschaftshilfe Bad Vilbel und Messeorganisator Dieter Richardt sein wiederverwendbares Bodenleitsystem mit Mikrosaugnäpfen. Foto: Christine Fauerbach
Claus-Peter Gabriel (rechts) präsentiert Iris Stockbauer von der Nachbarschaftshilfe Bad Vilbel und Messeorganisator Dieter Richardt sein wiederverwendbares Bodenleitsystem mit Mikrosaugnäpfen. Foto: Christine Fauerbach

Bad Vilbel. Mobilität und Teilhabe im Alltag haben für Sehbehinderte und Blinde, Gehörlose, Hörgeräteträger und Menschen mit einem Cochlea-Implantat eine viel größere Bedeutung als für andere. Besucher der Messe »Vil-bella-Vita – 50+« konnten sich an zwei Ständen informieren und beraten lassen. Einmal beim Team des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DBSV) und am Stand von Claus-Peter Gabriel.
Beim DBSV gab es Informationen zur Schulung in Orientierung und Mobilität für Blinde und Sehbehinderte im häuslichen Bereich und im Straßenverkehr durch Fachkräfte mit einer blindenpädagogischen Ausbildung. Neben Informationen zu den Schulungen vor Ort gab es auch solche zum Gebrauch des Blindenlangstocks. Zur Orientierung wichtig sind auch Hilfsmittel wie Monokular, Lupe und Kantenfiltergläser.
Navigation
per Sprachanweisungen

Claus-Peter Gabriel hatte viele Tipps für Leute mit Hörgeräten und Cochlea-Implantaten. Der Vilbeler bezeichnet sich als »Evangelist für Barrierefreiheit«, denn »ich stelle die echte Teilhabe in den Fokus meiner Beratung«. Gabriel ist bei DB Systel Schwerbehindertenvertreter.
Den Messebesuchern präsentierte er ein temporäres Bodenleitsystem mit Mikrosaugnäpfen für Sehbehinderte und Blinde. Dessen Vorteile seien vielfältig. Es lasse sich an jedem Ort anbringen, sei abwaschbar und wiederverwendbar. Wie es geht, demonstrierte er den Messebesuchern mithilfe eines Blindenlangstocks und mit Handys. Die bunten Codes auf dem temporären Bodenleitsystem oder auf Schildern, die per Smartphone-Kamera gescannt werden, verlinken zu Online-Inhalten, die heruntergeladen und an die Benutzer als Sprachanweisungen weitergegeben werden. Mithilfe der Nutzung der Navi-Lens-App können sich auch Blinde außerhalb ihres häuslichen Umfeldes an jedem beliebigen Ort ohne fremde Hilfe orientieren. »Das Navi-Lens-System wurde zur Orientierung von Blinden und Sehbehinderten entwickelt«, sagte Gabriel.
Inzwischen stehen Nutzern 700 Navi-Lens-Codes zur Verfügung, die von Blinden für Blinde entwickelt wurden. Die App ist kostenlos und funktioniert auf allen Apple- und Android-Geräten. Sie ist einfach zu bedienen, es lassen sich statische und dynamische Informationen wie ÖPNV-Fahrpläne oder Veranstaltungen wie die Burgfestspiele hinterlegen.
Die App erkennt einen nur 20 Quadratzentimeter großen Navi-Lens-QR-Code aus unterschiedlichen Winkeln auf eine Entfernung von bis zu zwölf Metern. Wer mit seinem Smartphone in der Hand durch einen Bahnhof geht, für den entziffert die App per Kamera die QR-Codes, die neben anderen Schildern an Wänden und auf Pfosten oder dem Boden angebracht sind. Über Sprachanweisungen in Echtzeit weist sie den Weg. Mithilfe der App finden Reisende auf Anhieb sofort das richtige Gleis auf jedem beliebigen Bahnhof, ein Café oder eine Toilette.
»Dadurch sind Blinde autark mobil.« Bei Bürgermeister Sebastian Wysocki warb der Quellenstädter dafür, dass das System unter anderem ideal für einen Einsatz auf Großveranstaltungen wie dem Bad Vilbeler Markt oder dem Hessentag sei. Nicht nur für Blinde und sehbehinderte Menschen, sondern für alle Menschen könne die Navi-Lens eine große Hilfe sein. Die App beherrscht bisher 33 Sprachen.
Auch für Gehörlose und Leute mit Cochlea-Implantaten hat Gabriel wertvolle Tipps. Diese müssen auf ihrem Hörgerät die T-Spule freischalten und dieses dann mit einem Headset an ein Smartphone anschließen. Dadurch werde dann nur eine bestimmte Audioquelle übertragen. Wer sich auch mit seinem Nachbarn unterhalten möchte, könne eine Mischfunktion wählen. Der Stadt hat Gabriel vorgeschlagen, die »Kommunale Gebärdensprach-Avatar (KGA)« auf ihrer Website zu installieren. Seit 2023 gibt’s die fotorealistische Gebärdensprache Avatar für gehörlose Menschen. Mithilfe von künstlicher Intelligenz (KI) können Texte von Internetseiten in die Gebärdensprache übersetzt werden. Behörden und Kommunen können die KGA nutzen, um Gehörlose Aufwand über Öffnungszeiten zu informieren oder wo ein Pass beantragen können.
Von Christine Fauerbach