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Raser-Ärger in Schlossstraße

Diese Nachbarn sind über die aktuelle Lage in der Schlossstraße unzufrieden (von links): Maria Rolf, Caroline Vogt, Barbara Vyslozil, Michael Rolf, Bergit Köhn, Oliver Vogt und Andreas Baumann. Foto: Kubocz
Diese Nachbarn sind über die aktuelle Lage in der Schlossstraße unzufrieden (von links): Maria Rolf, Caroline Vogt, Barbara Vyslozil, Michael Rolf, Bergit Köhn, Oliver Vogt und Andreas Baumann. Foto: Kubocz

Karben. Die Anlieger der Petterweiler Schlossstraße haben endgültig genug. Seit den Sanierungsarbeiten an der Sauerbornstraße nutzen viele Autofahrer die Parallelstraße als Schleichweg. Die Anwohner beschweren sich über Fahrzeugführer, die sich nicht an die vorgeschriebenen Tempolimits halten oder rücksichtslos fahren. Zuletzt kam es zu den ersten Unfällen – eine Katze ist tot.
Seit März 2021 rollen in Petterweil die Bagger. Die Ortsdurchfahrt wird saniert. Nachdem die Arbeiten an der Alten Heerstraße und der Rodheimer Straße abgeschlossen wurden, begann die Bauphase an der Sauerbornstraße. Seit November wird dort die Straße bis auf den Kern saniert. Entsprechende Umleitungen wurden eingerichtet. Die Durchfahrt der Petterweiler Straße beispielsweise ist nur für Anlieger und Anwohner gestattet.
Schlossstraße keine »offizielle Umleitung«
Also alles geklärt? Nein, wenn man mit den Bewohnern der Schlossstraße in Petterweil spricht. Die Straße verläuft parallel zur gesperrten Sauerbornstraße. »Viele benutzen die Schlossstraße als Umgehung der Umleitung, obwohl es ihnen nicht erlaubt ist«, sagt Barbara Vyslouzil, die mit ihrem Mann Andreas Baumann seit 2006 in Petterweil wohnt. Oftmals beobachten Vyslouzil und ihre Nachbarn, dass »eine Kolonne von Kurierfahrern am Vormittag durch die enge Straße fahren«. Besonders zu den Stoßzeiten sei die Situation »dramatisch«. »Viele Autos mit ortsfremden Kennzeichen fahren durch unsere Straße. Das können nicht nur Firmenwagen sein«, sagt Vyslouzil.
Dazu die Stadtverwaltung: »Die Schlossstraße ist keine offizielle Umleitung und bietet sich als solche auch nicht an.« Auch die Stadt würde mehrfach Beschwerden von den Anwohnern erhalten. »Unsere Stadtpolizei hat natürlich auch ein Auge auf die Schlossstraße, konnte jedoch bislang keine größeren Regelverstöße beobachten.«
Doch zuletzt verschärften Unfälle die angespannte Lage in Petterweil. »Ein Lieferwagen hat einen anderen Transporter touchiert, als der langsamer wurde, um in die schlecht einsehbare Straße zu blicken und niemanden die Vorfahrt zu nehmen«, sagt Anwohnerin Bergit Köhn. Rücksichtslos habe der Fahrer des Paketdiensts seine Fahrt fortgesetzt. Die Polizei sei vom geschädigten Transportfahrer informiert worden, doch auch Köhn konnte sich nicht an das Kennzeichen des Verursachers erinnern.
Messung belegt
Verkehrsaufkommen

Gleich doppelt betroffen ist Barbara Vyslouzil. Auch die Karosserie ihres Autos wurde in Mitleidenschaft gezogen. »Ein anderer Autofahrer ist einem entgegenkommenden Bus ausgewichen und hat meinen parkenden Wagen erwischt«, sagt die 53-Jährige. Anders als beim ersten Vorfall stellte sich der Unfallverursacher und der Sachschaden konnte beglichen werden. Wegen der Beschwerden und der aktuellen Lage in der Schlossstraße ließ die Stadtverwaltung ein Verkehrsstatistikgerät aufstellen. Das Gerät sei nicht erkennbar und solle damit die Situation »authentisch wiedergeben«.
Laut der Stadtverwaltung ergebe die Auswertung der Daten, dass »85 Prozent der erfassten Fahrzeuge mit 33 Kilometer pro Stunde oder mit geringerer Geschwindigkeit unterwegs waren«. Ein Problem mit erhöhter Geschwindigkeit sei also nicht festzustellen. »Allerdings zeigt die Statistik, dass das Verkehrsaufkommen in der Schlossstraße derzeit erhöht ist.« Ende Mai ereignete sich der jüngste Unfall in der Schlossstraße. Ein SUV überfuhr Penny, die Katze von Barbara Vyslouzil. »Ich musste es selbst mit ansehen, wie meine Katze über die Straße gelaufen ist und von dem Auto erfasst wurde«, sagt Vyslouzil. Sie sagt, sie sei sich sicher, dass der Wagen mit mehr als 30 Stundenkilometer durch die Schlossstraße raste.
»Der Fahrer muss meine Katze vorher gesehen haben. Mit der erlaubten Geschwindigkeit hätte der Geländesportwagen bestimmt abbremsen können«, sagt sie. Nun besitzt sie nur noch eine Katze, die sie nicht mehr aus dem Haus lassen will. Von Patryk Kubocz